Bertolt Brecht -------------- Der abgerissene Strick kann wieder geknotet werden Er hält wieder, aber Er ist zerrissen. Vielleicht begegnen wir uns wieder, aber da Wo du mich verlassen hast Triffst du mich nicht wieder. [ Gedichte über die Liebe, S. 131, aus dem "Me-ti"-Material (1940) ] Morgens und abends zu lesen Der, den ich liebe Hat mir gesagt Daß er mich braucht. Darum Gebe ich auf mich acht Sehe auf meinen Weg und Fürchte von jedem Regentropfen Daß er mich erschlagen könnte. [ Gedichte über die Liebe, S. 143 (1937) ] Sonett Nr. 19 Nur eines möcht ich nicht: daß du mich fliehst. Ich will dich hören, selbst wenn du nur klagst. Denn wenn du taub wärst, braucht ich, was du sagst Und wenn du stumm wärst, braucht ich, was du siehst Und wenn du blind wärst, möcht ich dich doch sehn. Du bist mir beigesellt als meine Wacht: Der lange Weg ist noch nicht halb verbracht Bedenk das Dunkel, in dem wir noch stehn! So gilt kein "Laß mich, denn ich bin verwundet!" So gilt kein "Irgendwo" und nur ein "Hier" Der Dienst wird nicht gestrichen, nur gestundet. Du weißt es: wer gebraucht wird, ist nicht frei. Ich aber brauche dich, wie's immer sei Ich sage ich und könnt auch sagen wir. [ Gedichte über die Liebe, S. 159 (1939) ]